Beleuchtungsstärke in Revit auswerten: Em je Raum aus dem Modell statt aus dem Bauchgefühl
Beleuchtungsstärke in Revit auswerten: Em je Raum aus dem Modell, Raum- und Bauteiltabelle, Modell-Audit – als Nachweis für den Bauherrn.
DIN EN 12464-1
Die Frage, die immer zu spät kommt
„Reicht das Licht in den Büros?“ – diese Frage stellt der Bauherr selten am Anfang. Sie kommt, wenn der Plan schon steht, und sie kommt mit der Erwartung, dass die Antwort in Zahlen vorliegt. Raum für Raum, mit einem Wert, den man mit einer Anforderung vergleichen kann.
Wer die Leuchten nach Erfahrung verteilt hat – und das ist im Elektroplan der Normalfall, weil die Lichtberechnung häufig in einem anderen Programm und manchmal bei einem anderen Büro liegt –, hat diese Zahlen nicht. Er hat ein Modell mit Leuchten darin.
Wie man sonst zu den Zahlen kommt
Der saubere Weg ist die Lichtberechnung im Fachprogramm. Sie ist genauer als alles, was ein Modell hergibt, und sie ist der Nachweis, den am Ende niemand ersetzt. Sie kostet aber Zeit und setzt einen abgestimmten Stand voraus – Räume, Reflexionsgrade, Leuchtentyp. Für die Frage „sind wir ungefähr richtig?“ ist sie zu schwer.
Der schnelle Weg ist die Abschätzung von Hand: Fläche mal Sollwert, geteilt durch Lichtstrom mal Wirkungsgrad, dazu ein Wartungsfaktor. Das rechnet man für drei Räume gern, für sechzig nicht mehr. Und wenn sich der Leuchtentyp ändert, fängt man von vorn an.
Was das Modul übernimmt
Das Auswertungsmodul rechnet die Abschätzung für alle Räume auf einmal. Der Befehl Beleuchtung Em/Raum liefert je Raum einen Wert, den man einer Anforderung gegenüberstellen kann – in einer Tabelle, die sich ausgeben lässt.
Die zweite Hälfte derselben Rechnung steckt im Ausbaumodul: Dort platziert die Automatik je Raum so viele Leuchten, dass eine vorgegebene Soll-Beleuchtungsstärke erreicht wird, gleichmäßig als Raster. Gerechnet wird nach dem Wirkungsgradverfahren mit n = E·A / (Φ·UF·MF); Leuchtentyp und Lichtstrom stammen aus einer vorher ausgewählten Leuchte. Auslegen und Verteilen laufen damit in einem Schritt, und die Auswertung prüft anschließend nach.
Zum Modul gehören weitere Auswertungen, die dieselbe Datenbasis nutzen: eine Raum-Tabelle mit den Bauteilen je Raum – die Grundlage für die Verkabelung –, eine Bauteiltabelle, eine Prüfung der Brandmelder, ein Modell-Audit mit den typischen Qualitätskennzahlen (Warnungen, ungenutzte Typen, In-Place-Familien, CAD-Importe, Ansichten nicht auf Plan, nicht platzierte Räume) und das Entfernen von Dopplungen.
Die Tabellen sind nicht nur Ausgabe: Werte lassen sich darin ändern und werden an die Bauteilparameter zurückgeschrieben, mit Rückmeldung, was tatsächlich gespeichert wurde und was nicht. Das ist der Unterschied zu einem Export, den man danach von Hand nachführt.
Woran die Abschätzung hängt
Vier Größen bestimmen das Ergebnis, und drei davon stehen im Modell: die Raumfläche, der Sollwert, den man vorgibt, und der Lichtstrom der gewählten Leuchte. Die vierte – der Wirkungsgrad des Raumes zusammen mit dem Wartungsfaktor – ist eine Annahme. Genau dort liegt der Unterschied zur richtigen Lichtberechnung, und genau dort sollte man wissen, mit welchem Wert man rechnet.
Praktisch heißt das: Der Leuchtentyp wird vorher ausgewählt, damit Lichtstrom und Bauform stimmen. Rechnet man mit einer beliebigen Leuchte, rechnet man mit einem beliebigen Ergebnis. Und die Räume müssen ihre Fläche kennen – nicht platzierte oder nicht umschlossene Räume fallen aus der Auswertung heraus. Das Modell-Audit im selben Modul zeigt sie an, und es lohnt sich, es vor der Auswertung einmal laufen zu lassen.
Der Wert je Raum ist damit belastbar genug für die Aussage „hier fehlen Leuchten“ oder „hier sind wir großzügig“. Er ist nicht belastbar genug für die Aussage „hier sind es genau 512 Lux“.
Was der Bauherr davon sieht
Eine Tabelle mit einer Zeile je Raum, einem Soll- und einem Ist-Wert, ist eine Unterlage, über die man in einer Besprechung reden kann. Sie beantwortet die Frage nach dem Licht, sie zeigt gleichzeitig, welche Räume überhaupt betrachtet wurden, und sie macht sichtbar, wo eine genauere Betrachtung nötig ist.
Dasselbe gilt für die übrigen Auswertungen des Moduls. Die Raum-Tabelle mit den Bauteilen je Raum ist die Grundlage für die Verkabelung und gleichzeitig die Antwort auf „wie viele Steckdosen sind eigentlich drin“. Das Modell-Audit beantwortet die unangenehmere Frage, in welchem Zustand das Modell ist – und zwar bevor sie jemand anders stellt.
Weil die Tabellen Werte zurückschreiben können, sind sie auch ein Arbeitsmittel und nicht nur ein Bericht: Was in der Besprechung entschieden wird, lässt sich gleich eintragen, und das Werkzeug meldet zurück, was tatsächlich im Modell angekommen ist.
Normbezug
Der Sollwert kommt aus DIN EN 12464-1 – das Regelwerk, das im Shop zu diesem Werkzeug genannt ist. Dort steht, welche Beleuchtungsstärke für welche Tätigkeit vorgesehen ist; das Werkzeug rechnet gegen den Wert, den man vorgibt.
Wichtig ist die Einordnung: Das Wirkungsgradverfahren ist eine Überschlagsrechnung. Es ersetzt keine Lichtberechnung mit Raumgeometrie, Reflexionsgraden und Leuchtendaten, und es taugt nicht als Nachweis gegenüber einer Behörde. Es taugt dafür, früh zu sehen, wo es knapp wird – und zwar in allen Räumen gleichzeitig, statt in den dreien, für die man Zeit hatte.
In der Praxis ist das die Reihenfolge, die Zeit spart: erst überschlägig auslegen und auswerten, die auffälligen Räume korrigieren, und erst danach die genaue Berechnung anstoßen. Was dort ankommt, ist dann bereits ein abgestimmter Stand – und nicht ein erster Entwurf, der die Berechnung zweimal nötig macht.
Weiterlesen: Brandmeldeanlage in Revit adressieren · Sicherheitsbeleuchtung in Revit planen